Weinausbau in Beton: Alte Tradition neu entdeckt
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01.10.2026

Ausbau in Beton statt in Holz

Eine alte Idee, die wieder auflebt

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Beton klingt zunächst nicht unbedingt nach Wein. Eher nach Baustelle, Kellerboden oder Architektur. Und trotzdem stehen Betontanks, Betoneier und andere Gefässe aus Beton heute wieder in vielen Weinkellern. Was modern aussieht, hat allerdings eine lange Geschichte.

Schon lange bevor Edelstahl und Barriques zum Standard wurden, wurde Wein in grossen mineralischen Gefässen ausgebaut. Heute wird diese alte Idee neu entdeckt. Nicht aus Nostalgie, sondern weil Beton ganz eigene Eigenschaften mitbringt.

Langsamer Ausbau, weniger Einfluss

Beton ist, ähnlich wie Holz, nicht vollständig inert. Das Material ist leicht porös und ermöglicht einen sehr langsamen Austausch mit Sauerstoff. Allerdings deutlich weniger intensiv als ein klassisches Barrique.

Der Wein entwickelt sich dadurch langsamer und behält gleichzeitig mehr von seiner ursprünglichen Frucht und Frische.

Der grosse Unterschied zum Holz liegt aber nicht nur in der Menge des Sauerstoffs. Beton gibt keine eigenen Aromen an den Wein ab. Keine Vanille, kein Toast, keine Röstaromen. Das Gefäss bleibt geschmacklich weitgehend im Hintergrund.

Gerade bei Weinen, bei denen Frucht, Frische und der Charakter der Rebsorte im Mittelpunkt stehen sollen, kann das ein grosser Vorteil sein.

Und was passiert mit dem Barrique?

Das bedeutet nicht, dass Holz verschwindet. Im Gegenteil. Barriques bleiben ein wichtiges Werkzeug im Keller. Nur wird heute häufig gezielter damit gearbeitet.

Statt einen Wein komplett in neuen Barriques auszubauen, kann beispielsweise nur ein Teil der Assemblage ins Holz kommen. Der andere Teil reift in Beton, Edelstahl oder einem grossen gebrauchten Holzfass.

Später werden die verschiedenen Partien zusammengeführt.

So lässt sich der Einfluss des Holzes viel präziser steuern. Ein kleiner Anteil Barrique kann Würze, Struktur und zusätzliche Komplexität bringen, während der Ausbau in Beton Frische und Frucht bewahrt.

Das Ziel ist nicht möglichst viel Holz. Das Ziel ist das richtige Verhältnis.

AUSBAU ABSEITS VON HOLZ

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Beton kann auch die Temperatur beeinflussen

Eine weitere interessante Eigenschaft steckt im Material selbst. Beton hat eine hohe thermische Masse und erwärmt oder kühlt sich relativ langsam. Dadurch kann er Temperaturschwankungen im Keller abpuffern.

Gerade bei der Vergärung kann das interessant sein. Der Tank reagiert weniger abrupt auf Veränderungen und schafft ein ruhigeres Umfeld für den Wein.

Beton arbeitet dabei nicht wie eine aktive Kühlung. Vielmehr wirkt das Material durch seine Masse temperaturstabilisierend. In entsprechend temperierten Kellern kann dieser Effekt helfen, die Temperatur des Weins gleichmässiger zu halten.

Alte Idee, neue Möglichkeiten

Vielleicht liegt genau darin die Faszination von Beton. Es geht nicht darum, das Barrique durch ein anderes Gefäss zu ersetzen. Es geht darum, mehr Möglichkeiten im Keller zu haben.

Barrique für Würze und Struktur. Beton für langsame Entwicklung und Frische. Edelstahl für Präzision und einen möglichst neutralen Ausbau. Grosse alte Holzfässer für einen sanften Einfluss.

Und manchmal braucht ein Wein eben nicht nur eines davon.

Guter Ausbau bedeutet nicht, sich für ein Gefäss zu entscheiden. Sondern zu wissen, was der Wein braucht.

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