Pisa a Pé: Warum Winzer Trauben mit den Füssen stampfen
Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

27.10.2026

Pisa a Pé

Die Tradition, Wein mit den Füssen zu stampfen

Menschen in einem Becken voller Trauben, Musik, rhythmische Schritte und jede Menge violette Füsse. Was auf den ersten Blick wie ein Weinfest aussieht, ist eine jahrhundertealte Technik der Weinbereitung. Im Douro wird sie bis heute praktiziert. Ihr Name: Pisa a Pé.


Eine Tradition, die tief im Douro verwurzelt ist

Bevor Maschinen die Arbeit im Weinkeller übernahmen, wurden Trauben von Hand und mit den Füssen verarbeitet. Die Methode ist uralt und war in vielen Weinregionen verbreitet. Im Douro hat sie sich besonders lange gehalten. Vor allem bei der Herstellung von Portwein spielt sie bis heute eine wichtige Rolle.

Dafür gibt es einen guten Grund: Portwein wird während der Gärung mit Weindestillat aufgespritet. Die Gärung wird dadurch gestoppt, bevor der gesamte Zucker vergoren ist. Die Zeit, in der Farbe, Gerbstoffe und Aromen aus den Beerenschalen gewonnen werden müssen, ist entsprechend kurz. Eine intensive, aber schonende Extraktion ist deshalb entscheidend.

Gestampft wird traditionell in sogenannten Lagares: flachen, offenen Becken, häufig aus Granit. Die Trauben werden darin mit den Füssen aufgebrochen und der Most kommt mit den Schalen in Kontakt.


Warum ausgerechnet mit den Füssen?

Es klingt vielleicht überraschend, aber der menschliche Fuss ist ein ziemlich gutes Werkzeug für diese Aufgabe. Er übt einen gleichmässigen Druck aus, bricht die Beeren auf und kann dabei die Kerne weitgehend unbeschädigt lassen. Das ist wichtig, denn beschädigte Kerne können unerwünschte bittere und herbe Noten freisetzen.

Beim traditionellen Stampfen gibt es verschiedene Phasen. Zunächst bewegen sich die Personen in einer Reihe durch den Lagar, oft Schulter an Schulter und im gleichen Rhythmus. Diese Phase wird Corte genannt. Danach folgt die Liberdade: Das koordinierte Stampfen geht in freiere Bewegungen über. Die Trauben werden weiter verarbeitet und die Schalen mit dem Most vermischt.

Was dabei entsteht, ist mehr als ein Arbeitsschritt. Es ist ein gemeinschaftliches Ritual, das im Douro bis heute zur Erntekultur gehört.

PISA A PÉ

Portweine entdecken

Neugierig auf Portweine, die mit traditionellem Fussstampfen entstehen? Entdecke die Weine aus dem Artikel und schmecke ein Stück portugiesischer Weinkultur.

Wenn die Maschine den Menschen nachahmt

Was passiert, wenn man die Vorteile des traditionellen Fussstampfens mit den Möglichkeiten moderner Technik verbindet? Genau dieser Frage ist man auch bei Alves de Sousa im Douro nachgegangen.

Das Weingut setzt auf mechanische Lagares, die eigens dafür konzipiert wurden, die Bewegungen des menschlichen Stampfens nachzuahmen. Dabei geht es nicht einfach darum, Trauben maschinell zu zerquetschen. Die Technik soll vielmehr den kontrollierten Druck und die rhythmischen Bewegungen des traditionellen Pisa a Pé simulieren. Die Trauben werden dadurch schonend aufgebrochen, während die Extraktion von Farbe, Gerbstoffen und Aromen gezielt gesteuert werden kann.

Das Besondere: Tiago Alves de Sousa hat an dieser technischen Entwicklung mitgewirkt. Damit wird eine jahrhundertealte Methode nicht einfach durch eine Maschine ersetzt. Vielmehr wurde versucht, das Prinzip hinter der traditionellen Verarbeitung technisch weiterzuführen. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: die Qualität und den Charakter des klassischen Fussstampfens möglichst zu bewahren und gleichzeitig die Arbeit im Keller besser steuerbar zu machen.

So entsteht eine Verbindung zwischen überliefertem Wissen und technischer Entwicklung. Nicht als Ersatz für die Tradition, sondern als Möglichkeit, sie unter heutigen Bedingungen weiterzuführen.


Tradition muss nicht stehen bleiben

Pisa a Pé zeigt, dass moderne Weinbereitung nicht immer bedeutet, alte Methoden durch neue zu ersetzen. Manchmal geht es darum, zu verstehen, warum eine Technik über Generationen funktioniert hat, und ihre Vorteile in die Gegenwart zu übertragen.

Ob mit Menschen im Granitbecken oder mit einer Maschine, die ihre Bewegungen nachahmt: Entscheidend bleibt, wie die Trauben verarbeitet werden und welchen Charakter der Wein am Ende erhalten soll.

Manchmal braucht es eben keine neuen Ideen, sondern eine neue Art, eine alte Idee weiterzuführen.

DIE WEINKULTUR PORTUGALS

Alte Methoden, besondere Weine

Fussgestampfte Trauben, Amphoren und jahrhundertealte Kellertechniken: Entdecke die Vielfalt portugiesischer Weintraditionen und die Weine, die daraus entstehen.

WEITERLESEN

Neue Perspektiven

Winzer, Regionen und Ideen – entdecke, was hinter den Weinen steckt.